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10 kraftvolle Tipps, wie Sie Selbstmitgefühl üben können

Science of People 8 min
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Stoppen Sie die Selbstkritik. Erfahren Sie, wie Sie mit diesen 10 wissenschaftlich fundierten Tipps Resilienz aufbauen und Stress abbauen.

Hast du jemals bemerkt, wie du mit dir selbst sprichst, wenn etwas schiefgeht? Wenn du wie die meisten Menschen bist, kann deine innere Stimme weitaus härter sein als alles, was du jemals zu einem Freund sagen würdest. Selbstmitgefühl ist die Praxis, diese Freundlichkeit nach innen zu richten – und die Forschung zeigt, dass dies deine psychische Gesundheit, deine Resilienz und dein allgemeines Wohlbefinden transformieren kann.

Was ist Selbstmitgefühl?

Selbstmitgefühl ist die Praxis, sich selbst mit der gleichen Freundlichkeit, dem gleichen Verständnis und der gleichen Fürsorge zu begegnen, die man einem guten Freund in Zeiten des Leidens oder des Scheiterns entgegenbringen würde.

Dr. Kristin Neff, eine wegweisende Forscherin an der University of Texas in Austin, identifiziert drei Kernkomponenten des Selbstmitgefühls:

  • Selbstgüte — Sich selbst gegenüber warmherzig und verständnisvoll sein, anstatt hart und selbstkritisch.
  • Gemeinsames Menschsein — Erkennen, dass Leiden und persönliche Unzulänglichkeit Teil der gemeinsamen menschlichen Erfahrung sind.
  • Achtsamkeit — Schmerzhafte Gedanken und Gefühle in einem ausgewogenen Bewusstsein halten, anstatt sich übermäßig mit ihnen zu identifizieren.

Selbstmitgefühl ist nicht dasselbe wie Selbstwertgefühl. Selbstwertgefühl basiert oft darauf, sich selbst im Vergleich zu anderen positiv zu bewerten, was zu Narzissmus führen oder zusammenbrechen kann, wenn man mit Misserfolgen konfrontiert wird. Selbstmitgefühl hingegen erfordert nicht, dass man sich „besser als“ jemand anderes fühlt. Es verlangt lediglich, freundlich zu sich selbst zu sein, besonders dann, wenn man sich nicht gut genug fühlt.

Die wissenschaftlich belegten Vorteile von Selbstmitgefühl

Selbstmitgefühl ist nicht nur ein Wohlfühlkonzept – es wird durch eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Untersuchungen gestützt.

  • Reduzierter Cortisolspiegel: Forschungsergebnisse legen nahe, dass Selbstmitgefühlspraktiken mit einem niedrigeren Spiegel an Cortisol, dem primären Stresshormon des Körpers, in Verbindung gebracht werden können, was dem Körper hilft, sich effektiver von Stress zu erholen.
  • Höhere Resilienz: Studien deuten darauf hin, dass selbstmitfühlende Menschen dazu neigen, sich schneller von Rückschlägen zu erholen. Anstatt im Grübeln steckenzubleiben, erkennen sie die Schwierigkeit an und gehen weiter.
  • Weniger Depressionen und Ängste: Die Forschung hat Zusammenhänge zwischen höherem Selbstmitgefühl und reduzierten Symptomen von Depressionen und Angstzuständen gefunden. Selbstmitfühlende Personen neigen weniger dazu, zu katastrophisieren oder in negative Gedankenmuster zu verfallen.
  • Verbesserte Motivation: Entgegen dem Mythos, dass Selbstmitgefühl faul macht, deutet die Forschung darauf hin, dass selbstmitfühlende Menschen nach einem Misserfolg tatsächlich motivierter sein können, sich zu verbessern – weil sie nicht durch Scham gelähmt sind.
  • Bessere Beziehungen: Wenn du weniger kritisch mit dir selbst bist, neigst du dazu, auch weniger kritisch mit anderen zu sein, was zu gesünderen und verbundeneren Beziehungen führen kann.
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10 Tipps zur Praxis von Selbstmitgefühl

Tipp Nr. 1: Schreibe dir selbst einen mitfühlenden Brief

Wenn du eine schwierige Zeit durchmachst, setze dich hin und schreibe dir selbst einen Brief aus der Perspektive eines gütigen, verständnisvollen Freundes. Erkenne deinen Schmerz ohne Urteil an, erinnere dich daran, dass Schwierigkeiten ein normaler Teil des Menschseins sind, und schenke dir selbst Worte der Ermutigung.

Diese Übung, die von Dr. Kristin Neff empfohlen wird, hilft dabei, deine mitfühlende Stimme zu externalisieren, sodass du die an dich selbst gerichtete Freundlichkeit buchstäblich auf dem Papier sehen kannst.

Versuche dies: Stelle einen Timer auf 10 Minuten. Schreibe über eine Situation, die dir Stress bereitet, und antworte dir dann so, wie du einem lieben Freund antworten würdest, der denselben Kampf durchmacht.

Tipp Nr. 2: Praktiziere die Selbstmitgefühls-Pause

Dr. Kristin Neff hat eine einfache dreistufige Übung entwickelt, die du in jedem Moment der Schwierigkeit anwenden kannst:

  1. Achtsamkeit: Sage dir selbst: „Dies ist ein Moment des Leidens.“ Dies erkennt den Schmerz an, ohne ihn zu übertreiben.
  2. Gemeinsames Menschsein: Sage: „Leiden gehört zum Leben dazu“ oder „Anderen Menschen geht es auch so.“ Dies verbindet dich mit der gemeinsamen menschlichen Erfahrung.
  3. Selbstgüte: Lege deine Hände auf dein Herz und sage: „Möge ich freundlich zu mir selbst sein“ oder „Möge ich mir das Mitgefühl schenken, das ich brauche.“

Diese Übung kann nur 30 Sekunden dauern und überall durchgeführt werden – im Auto, am Schreibtisch oder vor dem Schlafengehen.

Tipp Nr. 3: Probiere eine Übung zum gemeinsamen Menschsein aus

Einer der kraftvollsten Aspekte des Selbstmitgefühls ist die Erkenntnis, dass du mit deinen Kämpfen nicht allein bist. Wenn du dich in deinem Schmerz isoliert fühlst, probiere diese Übung:

  • Denke an etwas, mit dem du gerade kämpfst.
  • Stelle dir nun vor, wie viele andere Menschen auf der Welt in diesem Moment etwas Ähnliches erleben.
  • Visualisiere diese Menschen – Eltern, die sich um ihre Kinder sorgen, Berufstätige, die an ihren Fähigkeiten zweifeln, Einzelpersonen, die mit Verlust oder Veränderung umgehen.
  • Sage still zu dir selbst: „Genau wie ich kämpfen diese Menschen. Genau wie ich wollen sie glücklich sein. Wir sitzen alle im selben Boot.“

Diese Übung holt dich aus der Isolation der Scham heraus und führt dich in ein Gefühl der geteilten Erfahrung, was laut Forschung eine Schlüsselkomponente für emotionale Resilienz ist.

Tipp Nr. 4: Formuliere deinen inneren Kritiker um

Die meisten von uns haben einen lautstarken inneren Kritiker. Anstatt zu versuchen, ihn komplett zum Schweigen zu bringen, versuche zu verstehen, was er bezweckt. Oft versucht der innere Kritiker, dich vor Versagen oder Ablehnung zu schützen – er tut es nur auf eine schädliche Weise.

Wenn du selbstkritische Gedanken bemerkst, versuche diese Schritte:

  1. Bemerke es: „Ich bin gerade selbstkritisch.“
  2. Verstehe es: „Mein innerer Kritiker versucht, mich zu schützen.“
  3. Lenke es um: „Ich kann mich selbst mit Ermutigung statt mit Bestrafung motivieren.“

Versuche dies: Gib deinem inneren Kritiker einen Namen (etwas leicht Humorvolles kann helfen, wie „Mecker-Monika“ oder „Der Richter“). Wenn er sich zu Wort meldet, kannst du sagen: „Danke für den Versuch zu helfen, aber ich schaffe das schon.“

Tipp Nr. 5: Nutze mitfühlende Körpersprache

Dein Körper und dein Geist sind tief miteinander verbunden. Die Forschung zur verkörperten Kognition (Embodied Cognition) legt nahe, dass physische Gesten der Wärme das Fürsorgesystem deines Körpers aktivieren können.

  • Lege beide Hände auf dein Herz.
  • Gib dir selbst eine sanfte Umarmung.
  • Lege eine Hand an deine Wange, so wie du vielleicht ein Kind trösten würdest.

Diese Gesten können helfen, Oxytocin freizusetzen und Cortisol zu senken, was dir hilft, dich ruhiger und geerdeter zu fühlen. Es mag sich anfangs seltsam anfühlen, aber probiere es im Privaten aus und beobachte, wie dein Körper reagiert.

Tipp Nr. 6: Beginne ein Selbstmitgefühls-Tagebuch

Schreibe am Ende jedes Tages über eine Sache, die schwierig war, und wende die drei Komponenten des Selbstmitgefühls darauf an:

  • Achtsamkeit: Beschreibe, was passiert ist und wie du dich gefühlt hast, ohne zu urteilen.
  • Gemeinsames Menschsein: Notiere, wie diese Erfahrung dich mit anderen verbindet, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen.
  • Selbstgüte: Schreibe etwas Freundliches und Unterstützendes über die Erfahrung an dich selbst.

Mit der Zeit programmiert diese Praxis deine Standardreaktion auf Schwierigkeiten von Selbstkritik auf Selbstmitgefühl um.

Tipp Nr. 7: Praktiziere die Metta-Meditation (Liebende Güte)

Die Meditation der liebenden Güte (auch „Metta“-Meditation genannt) ist eine Praxis, bei der du gute Wünsche an dich selbst und andere richtest. Hier ist eine einfache Version:

  1. Setze dich bequem hin und schließe die Augen.
  2. Beginne damit, diese Sätze an dich selbst zu richten:
    • „Möge ich glücklich sein.“
    • „Möge ich gesund sein.“
    • „Möge ich sicher sein.“
    • „Möge ich mit Leichtigkeit leben.“
  3. Als Nächstes dehne diese Wünsche auf jemanden aus, den du liebst, dann auf eine neutrale Person und schließlich auf jemanden, den du schwierig findest.

Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass regelmäßige Metta-Meditation positive Emotionen steigern und negative Emotionen mit der Zeit verringern kann.

Tipp Nr. 8: Setze mitfühlende Grenzen

Bei Selbstmitgefühl geht es nicht nur darum, sich nach Schwierigkeiten zu beruhigen – es geht auch darum, sich vor unnötigem Schaden zu schützen. Das bedeutet zu lernen, Nein zu sagen, sich aus toxischen Situationen zurückzuziehen und die eigenen Bedürfnisse zu achten.

Frage dich: „Wenn ich jetzt wirklich freundlich zu mir selbst wäre, was würde ich tun?“ Manchmal ist das Mitfühlendste, was du tun kannst, eine klare Grenze zu setzen.

Tipp Nr. 9: Hinterfrage den Mythos der Perfektion

Perfektionismus ist eines der größten Hindernisse für Selbstmitgefühl. Er sagt dir, dass du niemals Fehler machen darfst, und wenn du es unweigerlich doch tust, bestraft er dich gnadenlos.

Versuche diese Umformulierung: Anstatt „Ich hätte es besser machen sollen“, versuche es mit „Ich habe mein Bestes gegeben mit dem, was ich zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung hatte, und ich kann daraus lernen.“

Denke daran: Unvollkommen zu sein, macht dich nicht unzulänglich. Es macht dich menschlich. Die Forschung von Dr. Kristin Neff betont, dass das Akzeptieren von Unvollkommenheit zentral für den Aufbau einer selbstmitfühlenden Denkweise ist.

Tipp Nr. 10: Erstelle einen Selbstmitgefühls-Baukasten

Erstelle eine Sammlung von Ressourcen und Praktiken, an die du dich wenden kannst, wenn du kämpfst. Dein Baukasten könnte Folgendes enthalten:

  • Einen mitfühlenden Brief, den du an dich selbst geschrieben hast.
  • Eine Playlist mit Liedern, die dir Trost spenden.
  • Eine Liste von Selbstmitgefühls-Sätzen, die dich ansprechen.
  • Ein Foto oder ein Erinnerungsstück, das dich an Menschen erinnert, die dich lieben.
  • Eine bevorzugte geführte Meditation (Dr. Kristin Neff bietet kostenlose auf self-compassion.org an).

Diese Ressourcen bereit zu haben bedeutet, dass du mitten in einer Krise nicht erst herausfinden musst, wie du freundlich zu dir selbst sein kannst – du hast die Vorarbeit bereits geleistet.

Empfohlene Bücher über Selbstmitgefühl

Wenn du tiefer eintauchen möchtest, sind diese Bücher ausgezeichnete Ausgangspunkte:

  • „Selbstmitgefühl: Schritt für Schritt zu mehr Gelassenheit und Lebensfreude“ von Dr. Kristin Neff — Der Grundlagentext zur Forschung und Praxis des Selbstmitgefühls.
  • „Das Selbstmitgefühl-Programm: Ein achtsamer Weg zu Selbstliebe und innerer Stärke“ von Kristin Neff und Christopher Germer — Ein praktischer, übungsbasierter Leitfaden zum Aufbau von Selbstmitgefühls-Fähigkeiten.
  • „Mit dem Herzen lächeln: Radikale Akzeptanz“ von Tara Brach — Untersucht, wie die Annahme unseres Lebens mit Mitgefühl uns von Leiden befreien kann.
  • „Die Gaben der Unvollkommenheit“ von Brené Brown — Eine kraftvolle Untersuchung darüber, wie das Loslassen dessen, wer wir glauben sein zu müssen, es uns ermöglicht, anzunehmen, wer wir sind.

Häufig gestellte Fragen

Ist Selbstmitgefühl nicht einfach nur Selbstmitleid?

Nein. Selbstmitleid bedeutet, in den eigenen Problemen zu versinken und zu vergessen, dass andere ähnliche Kämpfe haben. Selbstmitgefühl hingegen beinhaltet, den eigenen Schmerz anzuerkennen und gleichzeitig die gemeinsame menschliche Erfahrung zu würdigen. Es ist ausgewogen, nicht maßlos.

Wird Selbstmitgefühl mich weniger motivieren?

Die Forschung deutet auf das Gegenteil hin. Selbstmitfühlende Menschen neigen dazu, mehr Motivation zur Verbesserung zu haben, weil sie keine Angst vor Selbstbestrafung nach einem Misserfolg haben. Sie können Fehler anerkennen und daraus lernen, ohne von Scham erdrückt zu werden.

Wie unterscheidet sich Selbstmitgefühl vom Selbstwertgefühl?

Selbstwertgefühl basiert darauf, sich selbst positiv zu bewerten, oft im Vergleich zu anderen. Es kann zerbrechlich sein und vom Erfolg abhängen. Selbstmitgefühl steht dir zur Verfügung, unabhängig davon, ob du Erfolg hast oder scheiterst – es geht darum, in allen Lebenslagen freundlich zu sich selbst zu sein, nicht nur, wenn es gut läuft.

Wie lange dauert es, selbstmitfühlender zu werden?

Wie jede Fähigkeit entwickelt sich Selbstmitgefühl durch Übung. Manche Menschen bemerken bereits nach wenigen Wochen regelmäßiger Praxis Veränderungen in ihrem inneren Dialog. Untersuchungen zu Programmen für Achtsames Selbstmitgefühl (MSC), die typischerweise acht Wochen dauern, haben signifikante Verbesserungen bei Selbstmitgefühl, Wohlbefinden und emotionaler Resilienz gezeigt.

Kann Selbstmitgefühl bei Angstzuständen helfen?

Forschungsergebnisse legen nahe, dass Selbstmitgefühl mit reduzierten Angstzuständen in Verbindung gebracht werden kann. Durch das Praktizieren von Achtsamkeit und Selbstgüte kannst du lernen, auf ängstliche Gedanken mit Fürsorge statt mit Panik zu reagieren, was helfen kann, den Kreislauf aus Sorge und Grübeln zu durchbrechen.

Selbstmitgefühl ist eines der kraftvollsten Werkzeuge, die du für deine psychische Gesundheit und dein Wohlbefinden entwickeln kannst. Fang klein an – such dir einen Tipp aus dieser Liste aus und probiere ihn heute aus. Du verdienst die gleiche Freundlichkeit, die du anderen so bereitwillig schenkst.

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